Was mich in meiner Arbeit in Forschung und Lehre beschäftigt
Forschung beginnt für mich dort, wo Gewissheiten hinterfragt werden. Die Betriebswirtschaft arbeitet mit Modellen – das ist ihr Prinzip. Modelle schaffen Orientierung, aber sie sind nicht die Wirklichkeit. Gerade in einer Zeit, in der Künstliche Intelligenz ein immer stärkeres Gewicht bekommt, wird es entscheidend, sich dieser Grenzen bewusst zu werden. Wenn Modelle zur vermeintlichen Realität werden, entstehen neue Formen von Modellkonsum und Maschinengläubigkeit – mit Risiken, die zunehmend schwer beherrschbar werden.
Wissenschaft ist für mich deshalb ein Schlüssel zur Zukunft: beobachten, verstehen, hinterfragen und weiterentwickeln. Lehre bedeutet nicht, fertige Antworten zu geben, sondern Fragen zu stellen und gemeinsam nach tragfähigen Antworten zu suchen – auf der Grundlage dessen, was als gesichert gelten kann, und mit dem Mut, Bekanntes auch neu zu denken.
Im Zentrum steht die Fähigkeit, Unternehmen wirklich zu verstehen. Nicht nur ihre Zahlen und Systeme, sondern ihre Dynamik, ihre Grenzen und die Menschen, die in ihnen handeln. Studierende sollen lernen, Modelle einzuordnen, Daten kritisch zu lesen und Wege zu entwickeln, wie Organisationen den Herausforderungen der Zukunft begegnen können – nicht durch ein "mehr vom Gleichen", sondern durch ein anderes Denken und verantwortungsvolle Führung und Gestaltung.

Controlling & Leadership
Steuerungssysteme sind in komplexen Organisationen notwendig, weil sie Ziele sichtbar machen, Orientierung geben und Autonomie ermöglichen. Doch gesteuert wird nicht durch Instrumente, sondern durch das Handeln von Menschen. Mich beschäftigt die Frage, wie sich individuelles Verhalten durch gut gestaltete Entscheidungsräume, Informationen und gemeinsame Zielbilder so ausrichten lässt, dass Organisationen ihre Ziele tatsächlich erreichen. Und wenn KI zunehmend Prozesse übernimmt – was bedeutet das für die Rolle der Menschen in der Steuerung? Welche Fähigkeiten werden wichtiger, und wie verändert sich gutes Entscheiden im Zusammenspiel von Mensch und Maschine?
KI - Lernen, lehren, entscheiden
Was bedeutet es, wenn maschinelles Denken zunehmend menschliche Urteilsprozesse ergänzt oder ersetzt? Digitale Technologien verändern bereits, wie wir lernen, sprechen, erinnern, handeln und entscheiden – nicht nur zum Positiven. Und mit KI stellt sich diese Frage noch einmal ganz neu. Im Mittelpunkt steht für mich nicht Governance, sondern gutes menschliches Entscheiden: Erfahrung, Verantwortung und Intuition. Wie gestalten wir Entscheidungsprozesse der Zukunft – und vor allem: wie bilden wir junge Menschen so aus, dass ihre kognitiven Fähigkeiten mit KI wachsen statt zu erodieren?
Daten - Einsichten - Erfolg
Daten werden immer mehr – oft gelten sie als Rohstoff des 21. Jahrhunderts. Doch Wert entsteht nicht durch Daten allein, sondern durch ihre Übersetzung in Entscheidungen und Handeln. Viele Analytics-Initiativen scheitern nicht an Methoden, sondern an der Umsetzung im operativen Alltag. Mich interessiert, wie aus Daten Orientierung wird – und aus Einsichten tatsächlicher Fortschritt im Unternehmen.
Steuerung von Nachhaltigkeit
Viele Unternehmen erleben Nachhaltigkeit mit den ESRS vor allem als scheinbar wachsende Berichtslast – Ressourcen werden gebunden, ohne dass spürbarer Mehrwert entsteht. Der eigentliche Fehler liegt möglicherweise aber darin, die Berichterstattung als Pflicht zu verstehen, statt als Hebel für Zukunftsfähigkeit und unternehmerischen Erfolg. Die ESRS zeigen Elemente eines Steuerungsrahmens, bleiben aber fragmentarisch. Mich interessiert, wie sich daraus ein tragfähiges Steuerungssystem entwickeln lässt, das Unternehmen befähigt, Nachhaltigkeit tatsächlich zu erreichen – nicht nur zu dokumentieren. Und auch hier gilt: Nicht Instrumente steuern, sondern Menschen: Wie können also Verantwortung, Motivation und gemeinsames Handeln entstehen, damit Nachhaltigkeit auch wirklich gelingt und Unternehmen erfolgreicher macht?
Und wie diese Fragen in der Lehre weitergeführt werden
Diese Fragen entstehen nicht nur in der Forschung. Sie prägen auch die Art und Weise, wie ich mit Studierenden arbeite und wie Lernen zu einem gemeinsamen Denkprozess wird:
Controlling-Instrumente: Steuerung verstehen
In dieser Veranstaltung geht es um Methoden, vor allem aber darum, ein Verständnis zu entwickeln, wie Planung, Information und Anreize in der Steuerung zusammenwirken und wie sie richtig gestaltet sein müssen, damit Steuerung überhaupt wirksam wird. Studierende arbeiten mit Fallstudien und reflektieren, wie Steuerung tatsächlich entsteht – nicht durch Zahlen allein, sondern durch Entscheidungen, Verhalten und gemeinsame Zielbilder.
Data Analytics in der Unternehmenssteuerung
Datenanalyse wird hier nicht als Technik, sondern als Denkprozess verstanden. Welche Fragen stellen wir an Daten? Wo liegen ihre Grenzen? Und wie entstehen aus Analysen Empfehlungen und Entscheidungen, die im Alltag tragen? Ziel ist es, Analytics als Teil verantwortungsvoller Unternehmenssteuerung zu begreifen – nicht als Selbstzweck.
Wirtschaftsprüfung & Risikomanagement
Unsicherheit gehört zum unternehmerischen Handeln. Im Mittelpunkt steht deshalb die Frage, wie Risiken verstanden, bewertet und kommuniziert werden können. Studierende lernen, Entscheidungen unter unvollständiger Information zu reflektieren – jenseits rein mechanischer Kontrolllogiken und mit Blick auf Verantwortung und Urteilskraft.